18.04.09 News aus der Golfszene
Hallo Ihr Lieben,
das Warten ist vorbei. Nach langer Zeit habe ich mich endlich durchgerungen, mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben.
Seit ca. sechs Wochen bin ich nun am arbeiten und werde auch verhältnismässig gut bezahlt. Natürlich nur wenn ich gebucht werde! Hört sich etwas merkwürdig an, ist aber einfach so und es läuft auch ganz gut.
Der Golfclub in dem ich mich “anbiete”, gehört zu einem Luxus Resort (mehrere Hotels, Spas und ein Casino) mitten in Perth mit Blick auf die Skyline. Zu meinem Service neben den Golfbegleitungen, gehören auch Turnierorganisationen für kleinere Gruppen und nebenbei rüste ich noch die Touris mit dem nötigten Golfequipment aus.
Zum grössten Teil begleite ich aber Einzelpersonen (meist Geschäftsleute oder Alleinreisende), sowie kleinere Gruppen über den Golfplatz. Wer will schon den Ball alleine über den Platz dreschen und so sind die meisten Herrschaften über meinen “Escort” sehr angetan. Hin und wieder gebe ich auf der Runde ein paar Tips und Tricks,
oder am Ende noch eine kleine Trainingseinheit. Meistens sind die Leute dann glücklich und zufrieden und ich werde zum Essen oder einem Bierchen nach der Runde eingeladen. Manchmal gibt es noch ein wenig Trinkgeld und so kommen noch ein paar Dollar extra in die Urlaubskasse.
Übrigens ist Golf hier eine super billige Sportart und fast jeder Australier hat seine eigene Ausrüstung. Golf ist in Australien ein absoluter Volkssport und überhaupt nicht elitär. Jeder kleine Ort hat seinen eigenen Golfplatz und ich habe schon oft Aussies gesehen, die mit Badeshorts und Trägerhemd über den Golfplatz schlürfen. In Deutschland einfach undenkbar.
Rund um Perth gibt 32 Golfclubs und fast überall ist man als Gast willkommen. Ca. 15 Euro zahlt man für eine Runde Golf( in den ländlichen Bezirken etwa 10 Euro) und die Qualität der Plätze ist hervorragend. Zum Vergleich, in Deutschland kostet der gleiche Spass etwa das Dreifache. Woran das liegt ist ganz einfach. Hier ist jede Menge Platz, das Klima für die Pflege des Rasens ist optimal und die Energiekosten sind auch relativ niedrig. Zudem ist die Golfausrüstung insgesamt sehr günstig und somit kann es sich fast jeder leisten, die Kugel über den Platz zu jagen.
An den Wochenenden und jeden Mittwoch ist Turniertag und ich fungiere als “Course Marshall”. Meine Aufgabes ist es dafür zu sorgen, dass das Turnier ordnungsgemäß abläuft. Ist zum Beispiel ein Flight(Turniergruppe) zu langsam, gibt es eine Verwarnung meinerseits, oder ist eine Regel unklar, komme ich mit meinem Golwägelchen angerast und kläre die Ungereimtheiten. Bei akkutem Wassermangel an heissen Tagen, versorge ich die Beteiligten zudem noch mit Wasser oder einem Energie Drink. Am Ende des Tages werte ich noch die Scorekarten aus und überbringe diese dem Clubmanager, der dann die Siegerehrung einleitet.
Aufgefallen ist mir bisher das unterschiedliche Verhalten, der vielen internationalen Gäste, die ich betreut bzw. begleitet habe. Ich gebe hier ein paar Beispiele an die ich in den vergangenen Wochen beobachtet habe, möchte aber nichts pauschalisieren.
Viele Engländer und vor allem die Iren trinken vor der Runde erstmal ein Whiskey oder ein Bierchen. Dabei spielt die Uhrzeit überhaupt keine Rolle und ist ja auch vollkommen ok. Was sie dann aber alles während der Runde wegpetzen ist teilweise schon echt krass. So ein bis zwei Liter Bier werden locker getrunken und das Verblüffende ist, die werden nach jedem Stubbie besser. Kein Witz!
Die Asiaten sind auf dem Golfplatz sehr diszipliniert und äusserst konzentriert. Es wird wenig gesprochen und nichts bringt sie aus der Fassung. Ich habe vor drei Wochen mit einem japanischen Pärchen gespielt und es durfte während der Runde nicht geredet werden. Ein paar Tips bezüglich des Platzes gegeben und das war alles. Nach der Partie waren aber beide sehr herzlich und haben mich noch zum Essen eingeladen und es wurde geschwatzt ohne Ende.
Die Aussies hingegen sind sehr gelassen während der Runde und es werden Witze am laufenden Band gerissen und jeder nimmt jeden auf den Arm. Auf jeden Fall sehr lustig und unterhaltsam, wenn man den australischen Humor mag und vor allem versteht. Am Halfway House (Bar nach 9. Löchern) werden dann Hot Dogs oder Pies verzehrt und es geht mit vollem Magen auf die zweite Hälfte. Übrigens spielen die Australier fast immer um Kohle oder um das Essen nach der Runde. Die Verlierer müssen blechen, aber das Witzige ist, dass die Gewinner die Getränkerechnung übernehmen und diese ist oft weitaus höher. Naja, so sind sie Aussies eben. I like it!!!
Ach ja, die wenigen Deutschen mit denen ich zu tun hatte, waren sehr ungeduldig und beschwerten sich, weil es ihnen zu langsam vorwärts ging. Meinen Service fanden sie aber ganz gut und meinten ich sollte doch in Deutschland eine Agentur aufbauen. Ja klar!! - “Michael Langner Golf Escort”
Mein Highlight während den bisherigen sechs Wochen, war auf jeden Fall die Zeit mit Sam, einem jungen Golfprofi aus Perth, der mich als Ersatzcaddie angeheuert hat. Sein eigentlicher Caddie fiel kurzfristig wegen einer Fussoperation aus und so hatte ich das Glück, dass sich der Manager von Sams Golfclub an mich erinnerte (hatte dort ein paar Tage vorher ein Vorstellungsgespräch). Ich habe mich dann mit Sam und seinen Eltern getroffen und es wurde ein Vertrag per Handshake ausgehandelt, dass ich für die fünf Tage 500 Dollar bekomme plus 10% des Preisgeldes, wenn es Sam in die Moneylist schafft.
Für den Flug, die Unterkunft und die täglichen Mahlzeiten wurde natürlich ebenfalls gesorgt und ich musste keinen Cent bezahlen. Wir sind dann nach Adelaide geflogen und direkt vom Flughafen auf den Golfcourse, wo wir dann eine Übungsrunde abvsolviert haben. Zum ersten Mal schleppte ich also dieses verflucht schwere Golfbag von Sam über den Platz. Nebenbei habe ich seine Schläger geputzt, den Golfball poliert und den gesamten Course abgemessen. Jeder wichtige Punkt auf dem Platz und die möglichen Fahnenpositionen werden in das sogenannte Caddiebook eingetragen und dienen dann während der Turnierrunde als Orientierung. Ohne so ein Caddiebook spielt heute kein einziger Golfprofi mehr und würde wohl auch kein Turnier gewinnen. Nach der Runde war ich fix und fertig und wollte nur noch ins Hotel, aber unser junger wirklich ehrgeiziger Golfprofi war da anderer Meinung. Und so trainierten wir dann noch zwei Stunden unter Flutlicht, bis auch Sam endlich genug hatte.
Der Turnierverlauf ist schnell erzählt. Sam wurde geteilter 35. und verpasste um nur fünf Plätze den Sprung in die Preisgeldränge. Wirklich schade für ihn, aber auch natürlich für mich, denn ich hätte nochmal so ca. 300 bis 3000 Dollar (je nach Platzierung) verdienen können. Der erste Tag war wirklich hart für mich, da ich krasse Rückenschmerzen vom Schleppen dieser Tasche hatte. Die folgenden Tage waren aber ok und das Ganze hat mir richtig Spass gemacht. Auf jeden fall war es sehr interessant, dass Profileben der Spieler aus nächster Nähe einmal mitzuerleben. Und ich muss sagen die Jungs stehen brutal unter Druck und das Tourleben ist verdammt teuer vor allem wenn man nicht ins Preisgeld kommt. Ich denke mal Sam hat für die paar Tage um die 3000 Dollar bezahlt (Hotel, Flug, Caddie) und wenn dann nichts in Kasse kommt, ist dass schon krass. Auf jeden Fall war Sam insgesamt zufrieden mit mir und hat mir versprochen, mich das nächste mal wieder mitzunehemen, sollte sein Caddie nochmal ausfallen.
Letzte Woche war es im Golfclub relativ ruhig und so habe ich mir mal ein Surfbrett ausgeliehen und mich in die Wellen gestürzt. Hat eigentlich auch ganz gut geklappt, nur die Wellen waren nicht so der Hammer. Aber es macht schon tierisch Spass und weil das Meer hier recht warm ist, braucht man noch nicht mal ein Neo. Ein bisschen nervös bin ich aber jedes mal, wenn ich auf meinem Brett liege und im Wasser herum paddel, weil ich jedes mal diese verdammten Haie im Kopf habe. Obwohl das natürlich totaler Schwachsinn ist, weil die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, zum Lunch verspeist zu werden. Da
muss ich einfach etwas gelassener werden. Aber ich denke mit der Zeit wird das schon besser!
Heute haben wir beschlossen, dass wir nächste Woche (wahrscheinlich Donnerstag) Richtung Norden aufbrechen werden.
Das Wetter wird langsam etwas unbeständiger und so langsam packt uns wieder das Reisefieber. Wir haben ja auch noch nicht mal die Hälfte unserer Rundtour geschafft und noch einige Kilometer vor uns. Unser nächstes Hauptziel ist das Ningaloo Reef und wir hoffen, dass wir dort mit Walhaien tauchen können. Die Zeit in Freo und Perth war echt genial und genau der richtige Ort, um die Reisekasse zu füllen. Wer sich also irgendwann mal nach Australien aufmacht, sollte es auf jeden Fall nicht versäumen diese Ecke des Kontinents zu besuchen. Es lohnt sich einfach!
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3 Comments
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sehr interessant. aber etwas wenig segelnews in diesem bericht, oder :D
(nein, wirklich interessant. solltest AUCH öfter schreiben.)
lg
marc
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spannender bericht, der herr! freut mich auch mal was von dir zu lesen. weiterhin viel spaß und erfolg.
grüße aus MZ,
e.
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“Zum grössten Teil begleite ich aber Einzelpersonen,…”
Meinst Du damit aeltere Damen, die Du begleiten und und und durftest :-)Endlich auch ein Lebenszeichen von dem Michi - ich dachte schon die Michi reist alleine durch Australiens *g* und Du treibst Dich schon wieder in Koelle rum…
LG Jochen
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sehr interessant. aber etwas wenig segelnews in diesem bericht, oder :D
(nein, wirklich interessant. solltest AUCH öfter schreiben.)
lg
marc
spannender bericht, der herr! freut mich auch mal was von dir zu lesen. weiterhin viel spaß und erfolg.
grüße aus MZ,
e.
“Zum grössten Teil begleite ich aber Einzelpersonen,…”
Meinst Du damit aeltere Damen, die Du begleiten und und und durftest :-)
Endlich auch ein Lebenszeichen von dem Michi - ich dachte schon die Michi reist alleine durch Australiens *g* und Du treibst Dich schon wieder in Koelle rum…
LG Jochen