12.09.09 red centre & roadtrip nach queensland
Wo soll ich anfangen und noch viel wichtiger
wo sollte ich aufhören? Der letzte Blog ist eine Ewigkeit her oder ist sind es einfach nur so viele Bilder, die ich seitdem gemacht habe? Ich hab die Auswahl auf 80 beschränkt, weniger ging echt nicht ;)) Alles hier im Album…
Aber gut, hilft ja nix: kurz zusammengefasst waren wir seit dem letzten Blog knapp 2 Wochen im Red Centre -
sprich Alice Springs, Uluru (auch als Ayers Rock bekannt), Kings Canyon, Meterotitenkrater und eine riesige Gebirgskette (MacDonnell Ranges), die ich hier in Central Australia gar nicht vermutet hätte mit klangvollen Rainbow und Palm Valleys dazwischen. Danach gings einige Tage durch desert und cattle stations zur Ostküste, immer so zwischen 400km und 700km pro Tag, was nur dann wirklich ätzend ist, wenn der Ipod ausfällt, man auf Musik und Hörbücher verzichten muss und das Radio nur ein Rauschen hergibt. Glücklicherweise sind die Rastplätze hier um einiges idyllischer als in der Heimat und so schlafen wir wahlweise neben Kühen oder auch
road trains, was manchmal praktisch sein kann, aber dazu später mehr… nun sind wir im tropischen, turbulenten, türkisen Cairns angelangt, wo auch nachts die Vögel zwitschern - kurzum: viele Kilometer, zwei Welten und noch mehr Weite dazwischen, was sich nicht zuletzt daran bemerkbar macht, dass wir die 30.000km-Marke geknackt haben.

Aber zurück zum Red Centre: die ersten Tage waren schwer wetterfühlig für uns und der gewohnte Sonnenschein bei 23-33° blieb aus.
Jaja, wir wissen es ist Winter und da kann es schon mal kalt und nass werden, aber doch nicht hier in der Wüste und gerade jetzt? Doch! Nachdem wir Alice Springs Richtung West MacDonnell Ranges verließen gabs gleich in der ersten Nacht Regen. Ja, Regen im Herzen Australiens, im Dürregebiet schlechthin, da wo normalerweise nur 300mm Regen im Jahr fallen, das ist nicht mal ne Dose Bier!!
Wir waren geschockt und haben den ganzen Tag drinnen in unserer 1-Raumwohnung rumgegammelt - aber so gabs mal wieder Zeit zum Fotos sortieren und diverse hartumkäpfte Partien Mensch-ärger-dich-nicht. Denn zudem wars draussen kalt und usselig, irgendwer wollte uns wohl nen fiesen Vorgeschmack auf den deutschen Winter geben. Aber 2 Tage später am Kings Canyon hatten wir wieder die gewohnten 30° unter blitzeblauem Himmel.
Kaum kommen wir aber am Uluru an, zieht es sich wieder zu. Kaum zu fassen, dabei pilgern die Massen an Touris doch vor allem wegen der spekatakulären Sonnenauf- und untergänge hierher - wir natürlich auch, denn Uluru im Regen ist wie alles in grau nun mal einfach…grau. Also blieb nur zu hoffen, dass sich die Vorhersage für heavy rain erfüllt. Selten habe ich mir nen kräftigen Schutt so gewünscht, denn Uluru mit kleinen Wasserfällen sieht echt nicht jeder…und wir auch nicht. Statt dessen einen großartigen Sonnenuntergang im Nieselregen mit Regenbogen und kitschig rot…da blieb uns echt mal kurz das Herz stehen. Unangefochten favourite sunset ever!

Der Fels ist ohnehin wirklich beeindruckend, ich hab mich immer gefragt, was Gott und die Welt zu dem Ding hintreibt, aber wenn man davor steht, dann weiss man warum. Deshalb gibt es hier in der Wüste wohl auch ein riesiges
Resort mit diversen Hotels, Souvenirläden, Bars, Internet und Handyempfang und ne Post, die wohl einzig und allein Postkarten mit dem gleichen Motiv verschickt - erinnert irgendwie an Disneyland *gg*
Für die 10km Rundumwanderung haben wir knapp vier Stunden gebraucht, da ich den Stein natürlich von jedem erdenklichen Winkel ablichten musste…armer Michi ;) Aber auch Kata Tutja (auch als “The Olgas” bekannt), eine weitere Ansammlung von Monolithen ganz in der Nähe des Uluru, sind nicht zu verachten und das Valley of the Winds in das man zwischen den Uraltfelsen wandern kann, hat ihrem Namen alle Ehre gemacht.
So genug vom Wetter hin Lieblingsthema Segeln. Es ist zwar in der Mitte Australiens wohl generell superwindig aber es fehlt am Gewässer. Die Salzseen eigenen sich nicht, die Flussbetten sind ausgetrocknet und führen nur ein paar tage im Jahr Wasser. Aber der Zentralaustralier an sich ist erfinderisch und so veranstalten die Einwohner von Alice Springs einmal im Jahr die einzige Flussbettregatta der Welt - ja im ausgetrockneten Flussbett wird mit selbstgebastelten Booten gesegelt ähh gerannt *gg* Ist quasi so eine Art Valkencup mit Teams, Kostümen und viel Party - wir haben sie genau um 2 Tage verpasst *grrr*
Aber Alice ist auch ohne “Valkencup auf australisch” ganz nett, eine echte Oase in der Wüste, total grün, viele Palmen, ganz anders als man es vermuten würde. Wir waren hier im größten Klassenzimmer der Welt zu Besuch. Per Internet werden 770 Kinder unterrichtet, die teilweise bis zu 1300 entfernt leben und mit Webcam und Micro am Unterricht teilnehmen, während der Lehrer wie in einem Nachrichtenstudio in Alice sitzt. Im ganzen Outback ist diese Unterrichtsweise üblich und es gibt in Australien an die 20 dieser “school of the air”. Klassentreffen gibts dann ein paar mal im Jahr, wo sich Schüler und Lehrer auch mal nichtvirtuell begegenen. Die Kinder leben vor allem auf cattle stations, in den Roadhouses an den Highways und teilweise in kleinen aboriginal communities, wo die zahl der Kinder für eine eigene Schule nicht ausreicht.

Zweite bemerkenswerte Infrastrukur des Outbacks ist der Royal Flying Doctor Service.
Ich denke der Name sagt schon alles und unser guter alter Landarzt ist dagegen echt mal n Citysider *gg* Übrigens dienen die Higghways hier üblicherweise als Landepiste, also nicht erschrecken, wenn bei 90kmh plötzlich ein kleines Flugzeug vor dem Auto aufsetzt - aber die Erfahrung wurde uns leider verwehrt. Ebenso wie das Sichten diverser kleiner und großer Tierchen wie dem thorny devil, eine Echsen-Chamäleon-was weiss-ich-wie-man-den-beschreiben-soll-Art. Besonderheit: zwischen den Dornen am ganzen Körper wird Feuchtigkeit und Regen direkt zum Mund kanalisiert - wie genial ist das denn?
Wilde Kamele haben wir auch nicht gesehen, dabei wird in den Medien die Lösung der Kamelplage diskutiert und wo sind die bitte alle? Auf den 3000km durch Central Australia kann nicht eines von den angeblich hunderttausenden, nicht gerade zierlichen Viechern mal vor uns die Fahrbahn kreuzen - und zwar möglichst fotogen? Statt dessen immer und immer wieder roadkill (Kängis, Kühe, Dingos, Schlangen, Lizards) und darüber 1-5 riesige Adler und sonstige Aasfresser - auch nett aber es stinkt meist erbärmlich!
Zur Abwechslung haben wir noch selber für einige Programmpunkte auf den Highways und Gravelroads im Outback gesorgt: Zwischen den West MacDonnell Ranges und dem Kings Canyon sind wir eine 150km-Gravelroadabkürzung, den Mereenie Loop, gefahren. Alternative war 500km mehr auf dem geteerten Highway, aber wofür hat man n 4×4? Tja, dooferweise hilft Allrad auch nicht bei spitzen Steinen und so wurde die Abkürzung relativ zeit- und kostenintensiv als es plötzlich zischte und wir mal wieder n Platten hatten. Nachdem wir im Sadsturm das halbe Auto bei der Suche nach dem Drehkreuz auf den Kopf gestellt haben, hiess es mal ganz gemächlich aufs nächste Auto hoffen, das gemäß Murphys Law eine Ewigkeit auf sich warten ließ.
Alles in allem dauerte die Aktion einige Stunden, denn die ersten beiden Autos hatten kein passenden Schlüssel. Aber die Polizei ist auch in Australien Dein Freund und Helfer. Keine Ahnung warum der da gerade vorbei fuhr, aber er war nicht nur mit passendem Drehkreuz ausgestattet. Den Polizisten ereilte auf gleicher Strecke n paar Tage zuvor ein ähnliches Schicksal, so dass er uns aufgrund des schlechten Zustands der Strasse und in Ermangelung eines zweiten spare tyre bis zum Ende der bösen gravel road escortiert. Man weiss ja nie ;) Ach ja ein Truck mit 20 Touris hatte auch gestoppt und schon war der Jack samt platten Reifen die neue Attraktion für die die Kameras gezückt wurden.

Kaum waren wir vom Uluru zurück in Alice hat einer von uns beiden
(Namen möchte ich an dieser Stelle nicht nennen, auch wenn das keinen weiteren Unterschied machen würde *gg*) abends den Laptop per Zigarettenanzünder geladen. Das fand die Batterie über die Nacht hinweg ziemlich ermüdend und auch zwei andere Batterien der Campnachbarn konnten sie nicht wiederbeleben. Also tow start auf nem Campingplatz und dann ab zum Mechaniker. Der erste sagt, sie ist tot und will uns für teuer Geld ne neue andrehen und dazu noch gleich die Lichtmaschine austauschen.
Der nächste testet und sagt alles in Ordnung, die lädt sich schon wieder…ja was denn nun? Wir lassen es drauf ankommen und fahren raus (”going bush” nennt man das hier ;)). East MacDonnell Ranges am nächsten Morgen: Batterie tot. Wieder ein tow start, da überbrücken erneut nicht hilft, das Ding ist einfach zu leergesaugt. Mittlerweile ist Sonntag und zurück in Alice Springs hat alles zu. Wir lassen es drauf ankommen und beschliessen im 1300km entfernten Mt Isa ne neue Batterie zu kaufen, denn alle Örtchen dazwischen sind so klein, dass man entweder keine Batterie bekommt oder sie schweineteuer ist. Bis dahin hoffen wir also weiterhin auf hilfsbereite Campnachbarn oder es bleibt auch noch die Möglichkeit auf nem Hügel zu schlafen.
Alles in allem hatten wir unzählige Überbrückungsversuche, viel Fachgesimpel von australischen Hobbymechanikern, einen missglückten Hügelstartversuch, dauerhaft ölverschmierte Hände (in Abwesenheit von Duschen auf den Picnicareas der Outbackhighways) und die Erkenntnis, dass die Batterien von Road Trains stark genug sind, um selbst unsere Batterie zum Leben zu erwecken. In Mt Isa gabs dann aber endlich ne günstige neue Batterie, ne Dusche und die Möglichkeit den Motor abzustellen und zu wissen, dass man ihn aus eigener Kraft auch wieder zum Laufen bringt…auch eine Art Freiheit ;)
Soviel zu den Geschichten der Stadtkinder im Outback, es soll ja nicht langweilig werden *gg* Das denken sich die Australier auch und so hat jede “town” ihre teilweise zweifelhafte Besonderheit für sich gefunden. Mal ist es die erste Stadt, die von Quantas angflogen wurde (aha!), mal die mit dem größten Dinosaurierfund oder auch die Stadt in der es am wahrscheinlichsten ist von einem Ufo entführt zu werden *lol* Da haben wohl die paar hundert Einwohner beim Brainstormen zu viel Drogen zu sich genommen…Realitätsnah wirds allerdings, wenn man merkt, dass in den ein oder anderen towns mittlerweile absolutes Alkoholverbot herrscht, um die Aborigines vom täglichen Suff abzuhalten und dort wo es Bottle Shops gibt, muss man seinen Führerschein einscannen,
damit überprüft werden kann wie viel Alkohol man pro Tag kauft…ist schon ne verrückte Welt an sich dieses Ouback.
Nun sind wir aber back from the Outback, back to the Tropics und im wilden Getümmel von Cairns angekommen. Aber auch hier sind sie verrückt: Was für uns schon exotisch ist, z.B. am Strand, im Heissluftballon oder beim Tauchen zu heiraten zählt hier zu den Standards. In der Zeitung habe ich heute gesehen, dass man sich auch beim Bungeejumping das JaWort geben kann, ebenso wie im Regenwald oder bei einer traditional ceremony der Aborigines…ich hab keine Fragen mehr, werde aber weiter berichten ;)
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